PollenNet – KI-basierte Pollenverbreitungsvorhersagen in der Allergieprävention
Projektlaufzeit: 2024-2030
Allergene Pflanzen setzen Pollen frei, sobald sie blühen. Doch wie viel davon täglich in der Luft landet, hängt stark von der tatsächlichen Blühphase ab. Diese wird von der lokalen Umgebung geprägt – von Geographie über Klima bis zur tagesaktuellen Witterung. All das kann sich erstaunlich kleinräumig unterscheiden: zwischen Stadtteilen, Straßenzügen oder sogar einzelnen Zweigen desselben Strauchs. Kein Wunder also, dass eine flächendeckend präzise Erfassung schwer fällt.
Im Projekt PollenNet nutzen wir deshalb Beobachtungen aus der Flora-Incognita-App, die besonders in Städten intensiv verwendet wird. Die dort gemeldeten Funde und Fotos zeigen uns die tagesaktuelle Blühphase relevanter Arten. Damit können wir ein Modell entwickeln, das anhand von Bildern nicht nur die Art erkennt, sondern auch den lokalen Blühzeitpunkt bestimmt. So wollen wir die Pollenbelastung vor Ort besser einschätzen und künftig sogar vorhersagen können.
Und Sie können dabei helfen: Aktivieren Sie in der Flora-Incognita-App das Projekt PollenNet und fotografieren Sie 2026 unsere Zielarten – Hasel, Birke, Erle, Gräser, Ambrosia und Beifuß. Je mehr Menschen mitmachen, desto treffsicherer wird die Vorhersage!
Flora-Incognita-Beobachtungsdaten von Corylus avellana im Projekt PollenNet, Saison 2024/25
In der Arbeitsgruppe für Technische Thermodynamik konzentrieren wir uns auf zwei zentrale Aspekte von PollenNet.
Erstens möchten wir eine akustofluidische Plattform entwickeln, die eine dreidimensionale Fokussierung von Pollenkörnern in einem Mikrokanal ermöglicht. Auf diese Weise können die Körner im Mikrofluss gezielt rotiert werden, sodass Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln möglich sind. Diese Bilder erlauben eine zuverlässige automatisierte Erkennung und Zählung verschiedener Arten und bilden damit eine wichtige Datengrundlage für Vorhersagen zur Ausbreitung.
Zweitens untersuchen wir das Verhalten von Pollenkörnern in Strömungen. Wir möchten verstehen, unter welchen Windbedingungen und in welchen Blühstadien Pollen typischerweise aus unterschiedlichen Pflanzen freigesetzt werden. Darüber hinaus interessiert uns, wie die Körner anschließend in der Strömung transportiert werden. Um diese Fragestellungen sowohl auf der Makro- als auch auf der Mikroebene zu bearbeiten, nutzen wir fortschrittliche experimentelle Methoden und Windkanäle, präzise mikrofluidische Fertigung sowie moderne numerische Strömungsmechanik.
Der von Pflanzen freigesetzte Pollen wird durch atmosphärische Bewegungen von seiner Quelle wegtransportiert. Die meisten allergenen Arten produzieren sogenannten „winddispergierten“ Pollen, der durch schwache oder starke Windböen in der Atmosphäre verbreitet wird. Die Pollenkörner sind dabei sehr klein, sodass ihre Masse und Größe in vielen Modellen vernachlässigt werden können.
Dies macht den Einsatz stochastischer Modelle auf Basis der Langevin-Gleichung geeignet. Diese beschreiben die Bewegung von (Pollen-)Partikeln als Funktion eines deterministischen advektiven Terms (das Windfeld) und eines stochastischen Diffusionsterms (Brownsche Bewegung):
Ein erster Schritt ist in der Abbildung dargestellt. Direkte numerische Simulationen einer Rayleigh-Bénard-Konvektionsschicht mit großem Aspektverhältnis (Γ = L/H = 16) werden mithilfe der Lagrangian Particle Method (LPM) durchgeführt, bei der die Entwicklung einzelner Partikel im Strömungsfeld verfolgt wird. Diese Simulationen dienen als erstes Ersatzmodell für atmosphärische Bedingungen und bilden damit die Grundlage für die Entwicklung eines generativen Modells, das zukünftig zur Verfeinerung der Pollenverbreitungsprognosen eingesetzt werden kann.
Am Institut für Biomedizinische Technik und Informatik verfolgen wir im Rahmen des Projekts PollenNet zwei Teilziele.
Erstes Teilziel:
Wir untersuchen einen (bio-)medizinischen Marker in Elektroenzephalogrammen (EEGs), um allergische Reaktionen im menschlichen Gehirn objektiv erfassen und charakterisieren zu können. Die Einführung eines solchen Markers würde die Allergieforschung auf mehreren Ebenen erheblich voranbringen. Zum einen ließe sich das Zusammenspiel zwischen individueller Allergenbelastung und externen Pollenkonzentrationen deutlich besser verstehen. Zum anderen könnten solche Marker zu optimierten, individuell angepassten Therapie- und Medikamentenempfehlungen beitragen und damit unmittelbare Vorteile für Patientinnen und Patienten bieten. Um dies zu erreichen, muss der Marker zunächst explorativ untersucht werden – sowohl mit bestehenden Signalverarbeitungsmethoden als auch durch die Entwicklung neuer Verfahren. Im Mittelpunkt stehen dabei Analysen von DC-EEG, der Zeit-Frequenz-Domäne der üblichen Frequenzbänder sowie der räumlichen EEG-Verteilung (Topographieanalyse).
Zweites Teilziel:
Wir erforschen und entwickeln ein mobiles und robustes EEG-System, das von Betroffenen zu Hause selbstständig angewendet werden kann. Da EEGs üblicherweise in Kliniken oder Forschungslaboren aufgezeichnet werden, müssen für mobile Anwendungen besondere Anforderungen erfüllt sein – etwa einfache Handhabung, hoher Tragekomfort, geringe technische Komplexität und lange Akkulaufzeit. Ziel ist es, ein patientenspezifisches Headset mit einer definierten Anzahl von Elektroden und integrierter Verstärkertechnik zu entwickeln.
Katal, N., Rzanny, M., Mäder, P., Boho, D.,Wittich, H.C.,Tautenhahn, S., Bebber, A., & Wäldchen, J. (2025): Expanding phenological insights: automated phenostage annotation with community science plant images. Int J Biometeorol. https://doi.org/10.1007/s00484-025-02972-x
Ettel M, Vieweg PP, Schumacher J. (2025): Effects of conjugate heat transfer on large-scale flow structures in convection. Journal of Fluid Mechanics.1016:A30. doi:10.1017/jfm.2025.10361
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Das PollenNet-Projekt ist ein gemeinschaftliches Forschungsprojekt der TU Ilmenau, des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie Jena, des Umweltforschungszentrums Leipzig sowie des Universitätsklinikums Leipzig. Es wird von der Carl-Zeiss-Stiftung im Rahmen der Förderinitiative „Durchbrüche“ gefördert.