Blütenkunde: Vielfalt der Blütenstände

Blütenvielfalt
Die farbenfrohen Blüten der verschiedenen Pflanzenarten faszinieren uns immer wieder. Einige Arten wie beispielsweise Buschwindröschen (Anemone nemorosa) bilden nur unscheinbare einzelne Blüten aus. Andere wiederum fallen uns besonders durch die Vielzahl an Blüten auf, welche sich zu einem Blütenstand zusammensetzen.

Anemone nemorosa. Foto: Anke Bebber.

Einzelblüten
Der allgemeine Aufbau einer Blüte kann wie folgt beschrieben werden: Die jeweiligen Blüten sitzen an den oberen Enden der Blütenstängel, welcher verdickt ist und den Blütenboden bildet. Am Blütenboden können dann bis zu vier Typen modifizierter Blätter ansetzen: Kelchblätter, Kronblätter, Staubblätter und Fruchtblätter. Während die Kelch- und Kronblätter steril sind, stellen die Staub- und Fruchtblätter den fertilen Teil des Blütenorgans dar. Bei vielen Pflanzenarten wird das Wachstum des Hauptsprosses mit der Bildung einer einzelnen Blüte abgeschlossen.

Bildnachweis: Bernd Otten, CC BY 4.0

Aufbau einer Blüte. Grafik von Bernd Otten, CC BY 4.0.

Blütenstand
Häufiger entsteht jedoch durch Verzweigungen der Sprossachse eine Vielzahl an Blüten, sodass es zur Bildung eines Blütenstandes (Infloreszenz) kommt. In diesen Blütenständen werden die Blätter meist auch nicht als Laubblätter ausgebildet, sondern als kleinere Trag- oder Vorblätter. Weiterhin können die vielfältigen Arten der Blütenstände auch unterschiedlich gegliedert werden, wie beispielsweise in einfache und zusammengesetzte Blütenstände.

Echium vulgare, Martina Hartel

Echium vulgare. Foto: Martina Hartel.

Traube
Ein Merkmal von einfachen Blütenständen ist die Bildung einer unverzweigten Blütenstandsachse. Die Traube ist eine Form der einfachen Infloreszenz. Bei ihr stehen ausschließlich gestielte Einzelblüten an der Hauptachse. Beispiele dafür finden wir unter anderem beim Schmalblättrigen Weidenröschen (Epilobium angustifolium), dem Roten Fingerhut (Digitalis purpurea) oder dem Kleinen Odermennig (Agrimonia eupatoria).

Digitalis purpurea, Martina Hartel

Digitalis purpurea. Foto: Martina Hartel.

Ähre
Auch die Ähre ist eine Form der einfachen Infloreszenzen. Hierbei stehen die ungestielte Einzelblüten direkt an der Hauptachse. Typische Beispielarten sind die sogenannten Ährengräser, wie der Ausdauernde Lolch (Lolium perenne) oder Weizen (Triticum aestivum). Unter den Kräutern finden wir Ähren z.B. bei den Wegerichen, wie dem Spitz-Wegerich (Plantago lanecolata), oder – mit etwas farbenfroherem Blütenstand – bei den Gladiolen wie z.B. der Art Sumpf-Siegwurz (Gladiolus palustris).

Plantago lanecolata, Martina Hartel

Plantago lanecolata. Foto: Martina Hartel.

Kätzchen
Als Kätzchen werden in der Botanik die oft hängenden, männlichen Blütenstände einiger Bäume oder Sträucher bezeichnet. Diese bestehen aus kleinen unscheinbaren Einzelblüten, welche als Traube oder Ähre wachsen. Die sogenannten Weidenkätzchen werden an allen Weiden-Arten gebildet, wobei besonders die früh austreibenden, flauschigen Kätzchen der Sal-Weide (Salix caprea) bekannt sind. Aber auch viele andere bekannten Bäume bilden Kätzchen aus, wie z.B. die Stiel-Eiche (Quercus robur), der Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana) oder die Hänge-Birke (Betula pendula).

Betula pendula, Flora Capture

Betula pendula via Flora Capture.

Dolde
Bei der Dolde wird von einem Blütenstand gesprochen, bei welchem die gestielten Blüten alle von einem Punkt ausgehen. Die Hauptachse ist somit stark verkürzt. Häufig sieht der Blütenstand dann schirmförmig aus, weshalb die Pflanzen aus der Familie der Doldenblütler oft auch als Schirmblütler (Umbelliferae) bezeichnet werden. Bekannte Pflanzen mit Dolden als Blütenstand sind z.B. der Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium), der Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris), aber auch die Wiesen-Primel (Primula veris).

Heracleum sphondylium, Ralf Littger

Heracleum sphondylium. Foto: Ralf Littger.

Rispe
Bei zusammengesetzten Infloreszenzen wird eine verzweigte Blütenstandsachse ausgebildet. Die Seitenachsen der Rispe sind hierbei monopodial verzweigt. Das bedeutet, es gibt eine durchgehende Hauptachse, von welcher die Teilblütenstände abgehen. Typische Beispiele findet man bei den Rispengräsern, wie dem Wiesen-Rispengras (Poa pratensis), aber auch beim Gewöhnlichen Knaulgras (Dactylis glomerata). Erstaunlicherweise ist auch der Blütenstand der Weinrebe (Vitis vinifera) nicht etwa eine Traube, sondern eine Rispe!

Poa pratensis, Michael Rzanny

Poa pratensis. Foto: Michael Rzanny.