Vielfalt des Lebens – Lebensraumvielfalt

Biodiversität – Die Serie

Neben der Artenvielfalt und der genetischen Vielfalt ist die Lebensraumvielfalt eine der drei bedeutendsten Säulen der Biodiversität. In der letzten Flora Story haben wir uns intensiver mit der genetischen Vielfalt innerhalb einer Art beschäftigt. In der heutigen Story gehen wir genauer auf den Aspekt der Vielfalt von Lebensräumen in einer Region ein.

Was bedeutet Lebensraumvielfalt?

Die Lebensraumvielfalt ist ein Maß dafür, wie viele verschiedene Lebensräume auf einer bestimmten Fläche vorhanden sind. Ein Gebiet, in dem beispielsweise ein natürlich fließender Bach einen Waldrand von einer Wiese trennt, kann eine hohe Strukturvielfalt aufweisen. Eine große Ackerfläche ohne Hecken oder Blühstreifen weist dagegen keine hohe Vielfalt an Lebensräumen auf. Eine hohe Lebensraumvielfalt erhöht automatisch auch die Artenvielfalt des Gebietes, da in jedem dieser Biotope eine eigene Lebensgemeinschaft vorkommt und somit eine einzelne Fläche von mehr Arten besiedelt werden kann.

Verlust von Lebensräumen

Der Mensch trägt die Hauptverantwortung bei der Zerstörung von Lebensraum, durch die Nutzung natürlicher Ressourcen, Luft-, Licht- und Wasserverschmutzung, Lärmbelastung, intensive Landwirtschaft, industrielle Produktion und die fortschreitende Zersiedelung der Landschaften. Weitere einflussreiche menschliche Aktivitäten sind Bergbau, Abholzung und Schleppnetzfischerei. Einen weltweiten Einfluss hat die Eutrophierung, der übermäßige Eintrag von Stickstoff und Phosphor in Ökosysteme und die Atmosphäre. Dieser Nährstoffeintrag führt langfristig dazu, dass nährstoffarme Habitate ihren einzigartigen und artenreichen Charakter verlieren und anderen Standorten immer ähnlicher werden.

Aber auch abiotische Umweltfaktoren können (indirekt) zur Zerstörung von Lebensräumen beitragen. Dazu gehören geologische Prozesse wie Vulkanismus, der Klimawandel, und das Ausbreiten invasiver Arten.

Invasive Arten übernehmen Lebensräume

Die Zerstörung von Lebensräumen in einem Gebiet kann dazu führen, dass sich die lokale Artenvielfalt von einer Kombination aus Generalisten und Spezialisten zu einer Population verschiebt, die hauptsächlich aus Generalisten besteht. Invasive Arten sind oft Generalisten, da sie in einer viel größeren Vielfalt von Lebensräumen überleben können als Spezialisten. Wenn nun diese ausbreitungsstarken invasiven Arten immer größere Lebensräume eines Gebietes besiedeln, bleibt für die wenigen ursprünglich dort heimischen Spezialisten immer weniger Platz. So verschiebt sich die sogenannte Aussterbeschwelle der Spezialisten immer weiter in eine fatale Richtung – und die Wahrscheinlichkeit ihres Aussterbens steigt.

Verlust der biologischen Vielfalt

Die Zerstörung von Lebensräumen ist der größte Treiber für den Verlust der Artenvielfalt und für den Verlust der genetischen Vielfalt innerhalb von Arten. Und hier geht es nicht nur um den Verlust großen und beliebten Tieren wie dem Großen Panda. Arten wie Fadenwürmer, Milben, Regenwürmer, Pilze und Bakterien übernehmen viele der für uns Menschen lebensnotwendigen Prozesse wie die Reinigung von Luft und Wasser, und auch sie verschwinden, wenn ihre Lebensräume zerstört sind. Auf höherer Ebene sorgen Pflanzen nicht nur für Strukturvielfalt und Schutz vor Erosion, sondern auch für Energie und Nährstoffe, die dann von anderen Lebewesen in der Nahrungskette weiterverarbeitet werden.

Beispiel: Totholz

Ein „gepflegter und aufgeräumter“ (Wirtschafts-)Wald ist oft einer, dem Holz entnommen wird, bevor es absterben kann. Damit fehlt dem Lebensraum Wald allerdings etwas, was ursprünglich ein fester Bestandteil war und sich über Jahrtausende entwickeln und optimieren konnte – ein Hotspot der Biodiversität: Unter der Rinde toter Bäume warten Stärke, Zucker, Vitamine, Eiweiße, Aminosäuren und Zellulose darauf, von Bock- und Borkenkäfer, Holzwespen und tausenden oftmals hoch spezialisierten v.a. Insekten und Pilzarten zersetzt zu werden. Deren Bohrmehl, Kot und Häutungsreste locken neue Holzbesiedler an – übrigens andere bei liegendem als bei stehendem Totholz. Fledermäuse, Käuze, Siebenschläfer nutzen Totholz als Überwinterungslager oder Schlafplatz, während weitere Organismen – Pflanzen, Pilze, Asseln, Milben und Würmer die Zersetzung schließlich abschließen. Übrig bleibt eine große Menge Humus, und damit die perfekte Grundlage für neues Wachstum.

Biodiversität

Das Beispiel Totholz zeigt eindrücklich: Unzählige Lebensräume und Prozesse sind durch den Menschen bereits so schnell verändert und zerstört worden, dass ganze Organismengruppen ausgestorben oder in ihrem Fortbestand akut bedroht sind. Das Wissen um die Zusammenhänge und das tägliche Bemühen um den Erhalt und die Wiederherstellung von Lebensräumen kann jedoch den Unterschied ausmachen, ob in der eigenen Stadt, im eigenen Dorf oder im eigenen Garten eine Vielfalt von Lebensräumen, Arten und die Vielfalt innerhalb dieser Arten erhalten bleibt.

Dieser Artikel wurde im Frühjahr 2024 in der Flora-Incognita-App als Story angezeigt. In der Pflanzenbestimmungs-App findest Du jederzeit spannende Informationen zu Pflanzen, Ökologie, Artenkenntnis, sowie Tipps und Tricks zum Pflanzenbestimmen. Schau‘ doch mal rein!

Sandrasen-Ökosysteme im Landkreis Darmstadt-Dieburg

Helfen Sie uns bei der Kartierung von Problemarten und Neophyten!

Über das Projekt

Die sandigen Böden in der Hessischen Rheinebene (Griesheim, Pfungstadt usw.) und der Östlichen Untermainebene (Babenhausen, Schaafheim usw.) sind bundesweit botanisch von großer Bedeutung. Auf diesen kargen Böden leben eine Vielzahl von Spezialisten, die nur an wenigen anderen Standorten Deutschlands geeigneten Lebensraum finden. Am bekanntesten ist wohl die Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides). Doch diese sogenannten Sandrasen-Ökosysteme sind bedroht. Durch die Einschleppung von gebietsfremden Pflanzen, vorrangig von Bäumen, kommt es zu einer Beschattung und zu einem konstanten Nährstoffeintrag in die Landschaft. Zudem säen sich zahlreich aus und sind widerstandsfähig gegen Rückschnitt und Rodung. Nur mit einer dauerhaften Regulierung dieser Konkurrenten können die seltenen, heimischen Offenland-Arten langfristig erhalten werden.

Dank der NATURA2000-Richtlinie werden die Sandgebiete des Landkreises naturschutzfachlich gepflegt. Aber wir brauchen wir Ihre Hilfe! Kartieren Sie für uns die gesuchten Arten, so dass wir rechtzeitig die notwendigen Regulierungsarbeiten durchführen können.

 

So können Sie unterstützen

Um den Landschaftspflegeverband Darmstadt-Dieburg in seiner Arbeit zu unterstützen, müssen Sie das spezielle Projekt in Ihrer Flora-Incognita-App freischalten. Dafür gibt es einen Code, den Ihnen die Projektverantwortliche Sandra Weimer (s.u.)  geben kann. Nach Aktivierung des Projekts bestimmen Sie die problematischen Arten der Sandrasen-Ökosysteme im Landkreis Darmstadt-Dieburg und versehen diese Pflanzenfunde anschließend mit dem Projektstichwort (ebenfalls erhältlich von der Projektverantwortlichen). Die so markierten Funde werden dem Landschaftspflegeverband anschließend anonymisiert übermittelt, inklusive:

  •  Artname
  •  Fundort der Pflanze
  •  Datum der Beobachtung
  •  alle Bildern, die bei der Bestimmung gemacht wurden

Kontakt
Sandra Weimer, erreichbar unter info@lpv-dadi.de

 

Folgende Arten stehen im Fokus:

Klosterhof

Im Vorfeld der Sonderausstellung „Hello nature. Wie wollen wir zusammen leben?“ (3.10.2024 – 2.3.2025) am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg wird der große Klosterhof zu einem grünen Experimentierfeld. Damit wird eine rare innerstädtische Grünfläche belebt – teils durch gezielte Pflanzungen, teils durch sich selbst überlassene Flächen, die sich eigenständig weiter entwickeln können. Gemeinsam mit unseren Besucher*innen möchten wir herausfinden, was alles im Klosterhof wächst. Welche Vielfalt an Arten lässt sich in diesem klar begrenzten Areal entdecken, und wie verändern sich diese im Laufe der Zeit?

Wollen Sie mithelfen, die Pflanzenvielfalt im großen Klosterhof zu dokumentieren? Das funktioniert ganz einfach. Kontaktieren Sie die untenstehende Projektverantwortliche und erhalten von ihr den Code, mit dem Sie das Projekt in Ihrer Flora-Incognita-App freischalten können. Bestimmen Sie anschließend im Klosterhof des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg die Pflanzen mit Flora Incognita, und ordnen Sie die Bestimmungen danach einfach dem Projekt „Klosterhof_im_GNM“ zu.

Anschließend wird Ihr Pflanzenfund den Projektverantwortlichen des Germanisches Nationalmuseums in Nürnberg anonymisiert übermittelt, inklusive:

  •  Artname
  •  Fundort der Pflanze
  •  Datum der Beobachtung
  •  alle Bildern, die bei der Bestimmung gemacht wurden

Das Germanische Nationalmuseum bedankt sich für Ihren Beitrag und freut sich darauf, die erhobenen Daten in weitere Planungen einbeziehen zu können. Wir hoffen, dass das Projekt Ihr Interesse an Biodiversität verstärkt und dazu beiträgt, die Vielfalt der Pflanzen im inner- wie im außerstädtischen Raum positiv wahrzunehmen.

Kontakt

Germanisches Nationalmuseum

Lena Hofer

EduCuration & Partizipation

+49 911 1331 395

E-Mail: l.hofer@gnm.de

https://www.gnm.de/ausstellungen/aktuell/hello-nature

Genetische Vielfalt – Vielfalt des Lebens

Biodiversität – Die Serie

Neben der Artenvielfalt und der Vielfalt von Lebensräumen ist die genetische Vielfalt eine der drei bedeutendsten Säulen der Biodiversität. In der letzten Flora Story haben wir uns intensiver mit der Artenvielfalt beschäftigt. In der heutigen Story gehen wir genauer auf den Aspekt der genetischen Vielfalt innerhalb einer Art ein.

Genetische Vielfalt

Eine Art besteht aus Individuen, die sich zwar sehr ähnlich sind, aber kleine Unterschiede in ihrer Erbinformation aufweisen. Gibt es viele dieser kleinen Unterschiede, dann hat diese Art das Potenzial, sich leicht an neue Umweltbedingungen anzupassen. Ein Beispiel: Tragen manche Individuen einer Population die Eigenschaft mit sich, sich trotz hoher Bodenfeuchte weiter fortpflanzen zu können, und andere Individuen tragen die Eigenschaft mit sich, das bei Trockenheit zu können, dann ist der Fortbestand dieser Art recht wahrscheinlich, auch wenn sich die Standortbedingungen ändern.

Nicht alle Gene sind immer aktiv

In Pflanzen sind zu unterschiedlichen Zeiten und unter wechselnden Bedingungen im Durchschnitt etwa 30.000 Gene aktiv. Ob und wie gut eine Pflanze gedeiht, inwieweit sie sich an ihre Umgebung anpassen und klimatischen Veränderungen begegnen kann, kommt also darauf an, wie groß der Pool an möglichen aktivierbaren Genen ist. Betrachtet man nun ein einzelnes Gen, so hängt dessen Aktivierung unter anderem davon ab, wo und wie die Pflanze lebt: Einzeln? In einer dichten Population? Vollsonnig oder im Schatten? Auch Aspekte wie Feuchtigkeit oder die chemische Bodenzusammensetzung spielen eine Rolle.

Nicht alle Individuen müssen sich anpassen

Es gibt auch Pflanzen, die können sogar Gene aktivieren, um „Hilferufe“ auszusenden. Sie bilden dann beispielsweise Duftstoffe, die Nützlinge anlocken, um Schädlinge zu fressen. Experimente von Wissenschaftler:innen des Max-Planck-Instituts für Chemische Ökologie haben [gezeigt](https://elifesciences.org/articles/04490), dass es mitunter ausreicht, wenn nur einzelne Pflanzen innerhalb einer größeren Population diese genetische Ausprägung entwickeln, um alle benachbarten Pflanzen zu schützen.

Vielfalt als Basis für Evolution

Die genetische Vielfalt innerhalb einer Art ist auch die Grundlage für die Bildung ganz neuer Arten. Es gibt hierfür verschiedene Konzepte, die sich vor allem darin unterscheiden, ob es zu einer räumlichen Trennung (durch Gebirgs- und Inselbildung, Stürme) von Populationen kommt oder nicht.

  • Ist das der Fall, kann es keinen genetischen Austausch mehr unter den Gruppen geben und durch Mutation und Selektion entstehen schließlich neue Arten.
  • Artbildung ohne räumliche Trennung: durch spontane Mutation der Fortpflanzungsorgane können sich Individuen nicht mehr untereinander vermehren. Die veränderte Population spaltet sich von der ursprünglichen Art ab.
  • Artbildung trotz Genfluss: Wie zu Beginn der Story gezeigt, kann eine hohe genetische Variabilität innerhalb einer Art dafür sorgen, dass diese an völlig unterschiedlichen Standorten gedeihen kann. Über lange Zeiträume hinweg sorgen schließlich kleinste Veränderungen dafür, dass aus diesen angepassten Populationen neue Arten entstanden sind.

 

Dieser Artikel wurde im Frühjahr 2024 in der Flora-Incognita-App als Story angezeigt. In der Pflanzenbestimmungs-App findest Du jederzeit spannende Informationen zu Pflanzen, Ökologie, Artenkenntnis, sowie Tipps und Tricks zum Pflanzenbestimmen. Schau‘ doch mal rein!

 

Kann man Flora Incognita in der Grundschule einsetzen?

Heute unterstützten Teile des Teams Flora Incognita eine Schule in Jena bei ihrem Projekt „Wiese“, um diese Frage zu beantworten. Das Fazit ist klar: Ja.

24 Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Jahrgangsstufe packten gerade noch ihre Frühstücksdosen weg, als das Team Flora den Klassenraum der „Korallen“ betrat. 24 Augenpaare musterten die Neuankömmlinge, aber schnell gewann die Neugier die Oberhand. Die Kinder kannten bereits den Aufbau einer Blume (Blüte, Blatt und „Furzel“) und durften in den Stunden zuvor schon üben, erste Blüten anhand von Büchern zu bestimmen. Heute sollten sie vom Team Flora eine Einführung in das Thema „Artenvielfalt auf der Wiese“ bekommen. Außerdem wurden wir gebeten zu erklären, was eine App ist, und was es mit Flora Incognita auf sich hat.

Ein kurzer, interaktiver Vortrag, der die Kinder aktiv mit kleinen Quiz-Einlagen integrierte, bereitete auf die anschließende Exkursion nach draußen vor. Was ist eine Wiese, was unterscheidet sie von einem Wald, einem Strand, Röhricht oder einem Flussufer? Ist Gras gleich Gras? Und wie viele verschiedene Blümchen sind wohl auf einer Wiese in Jena zu finden? Mehr als 3? 5? 10? 15 oder sogar 20?

Mit einem Satz iPads und einem mobilen Router ausgestattet ging es anschließend auf eine nahe liegende Wiese, die mager genug war, um Habitat für 50 bis 80 Wildpflanzenarten zu sein. Hier konnten die Kinder in Dreiergruppen mit einem Tablet losziehen und die Pflanzenwelt erkunden. Gelber Hahnenfuß, lilafarbener Storchschnabel, blauer Wiesen-Salbei, weiße Margeriten, aber auch Zypressen-Wolfsmilch oder der kleine Wiesenknopf waren schnell gefunden. In etwa einer Stunde fanden manche der Sieben- bis Achtjährigen 29 verschiedene Pflanzenarten! Dabei war es die größere Herausforderung, Namen wie „Rauhaariger Alant“ oder „Gamander-Ehrenpreis“ zu lesen, als die App zu benutzen. Kleine Kniffe wie das Umdrehen des Geräts, so dass die Kamera nah am Boden ist, oder das Zoomen auf dem Bildschirm, um kleine Blüten groß zu fotografieren, waren schnell gelernt. Allerdings war es für die Schülerinnen und Schüler nur in wenigen Fällen möglich, Gräser und sehr filigrane Pflanzen so zu fotografieren, dass eine Bestimmung möglich war.

Fazit
Für uns war deutlich: Flora Incognita ist eine App, die auch für Schulkinder intuitiv genug ist, um selbstständig bedient zu werden. Die Bestimmungsgenauigkeit ist auch bei nicht optimalen Bildern gut genug, dass Kinder eine Stunde lang Erfolgserlebnisse haben. Natürlich bleiben die komplizierten Namen nicht lange im Kopf hängen, aber was bleibt war eine Stunde Spaß beim Entdecken der Natur und die Erkenntnis, dass eine Wiese doch mehr ist als grünes Gras.

 

Bildnachweis: Susanne Zaehle

Artenvielfalt – Vielfalt des Lebens

Biodiversität – Die Serie

Neben der Artenvielfalt und der Vielfalt von Lebensräumen ist die genetische Vielfalt eine der drei bedeutendsten Säulen der Biodiversität. In dieser dreiteiligen Serie gehen wir auf jede dieser Arten in einem eigenen Artikel genauer ein. Viel Spaß!

Artenvielfalt

Der Begriff Artenvielfalt beschreibt die Anzahl biologischer Arten in einem bestimmten Gebiet. Das gilt für kleine Räume genauso wie für große: ein einziger Baum im Amazonas, ein ganzes Gebirge, ein politischer Staat, oder auch nur eine Rasterzelle in einer Stadt. Typischerweise wird die Artenvielfalt eines solchen Gebiets aufgeteilt in bestimmte Gruppen wie Pflanzen (oder nur Bäume), Säugetiere, Fische, Insekten – je nach Fragestellung oder Thema.

Wie viele Arten gibt es?

Im Jahr 2006 waren ca. 2 Millionen Arten wissenschaftlich beschrieben. Dem gegenüber stehen Schätzungen der tatsächlich existierenden Arten von 5 bis 20 Millionen weltweit. Diese beiden Angaben genau zu machen ist sehr schwierig, da verschiedene Organismengruppen unterschiedliche Kriterien zur Artabgrenzung haben, moderne Klassifizierungsmethoden auch genetische Informationen mit einbeziehen, es eine Vielzahl von Synonymen gibt und die meisten Arten einerseits sehr klein sind und zudem in Gebieten leben, die nicht leicht zu erreichen sind. Trotzdem werden jährlich etwa 12-13.000 Arten neu wissenschaftlich beschrieben.

Warum ist Artenvielfalt wichtig?

Die Natur ist für unser Überleben entscheidend, da sie uns mit wichtigen Ökosystemleistungen wie Nahrung, Medikamenten, Wasserregulation oder auch Erholungsmöglichkeiten versorgt. Außerdem trägt sie zur Regulierung des Klimas bei, und jede Art spielt eine einzigartige und wichtige Rolle. Das Fehlen einer Art kann zu einer Störung komplexer ökologischer Kreisläufe führen. So kann sich das Aussterben von Insektenarten beispielsweise negativ auf Vögel auswirken, die sich von diesen Insekten ernähren, sowie auf die Bestäubung von Pflanzen (auch Nutzpflanzen).

Was bedroht die Artenvielfalt?

An erster Stelle steht die Zerstörung von Lebensräumen durch Bebauung, Rodung oder Veränderung, z.B. durch Intensivierung der Bodenbearbeitung. Viele artenreiche Lebensräume sind nährstoffarm, da sich auf nährstoffreichen Standorten schnell wenige dominante Arten ausbreiten. Der Eintrag von Stickstoff und Phosphor durch Schadstoffe stellt eine Bedrohung für diese Lebensräume dar. Schließlich können auch invasive Arten einen nachhaltigen Einfluss auf bestehende Ökosysteme haben, indem sie die komplexen Wechselwirkungen zwischen den dort vorkommenden Arten stören und dabei etablierte Arten erfolgreich verdrängen. Über all diesen Faktoren steht der Klimawandel, der viele etablierte Prozesse so schnell verändert, dass die Anpassungsfähigkeit vieler Arten damit nicht Schritt halten kann.

Wie kann man Artenvielfalt schützen?

Die Wiederherstellung oder Erhaltung vielfältiger Lebensräume ist die wichtigste Maßnahme für den Erhalt der Artenvielfalt – oder zumindest um das Schwinden zu verlangsamen. Beispiele sind die Wiederherstellung von Auenlandschaften an Flüssen, das Erlauben von stehendem und liegendem Totholz in Wäldern, Abmagerung von Trockenrasen, extensive ganzjährige Weidhaltung, Blühstreifen mit heimischen Wildkräutern und Sträuchern an landwirtschaftlichen Flächen und der Stopp der Entwässerung von Mooren. Aber auch das eigene Handeln kann einen Einfluss haben: Wilde Ecken im Garten, versetztes Mähen von Wiesen, Verwendung torffreier Erden, die Teilnahme an Arbeitseinsätzen zum Entfernen von invasiven Pflanzen oder politische und Bildungsarbeit sind wertvolle Bausteine für die Erhaltung der Artenvielfalt.

 

 

Dieser Artikel wurde im Frühjahr 2024 in der Flora-Incognita-App als Story angezeigt. In der Pflanzenbestimmungs-App findest Du jederzeit spannende Informationen zu Pflanzen, Ökologie, Artenkenntnis, sowie Tipps und Tricks zum Pflanzenbestimmen. Schau‘ doch mal rein!

Biodiversität – Vielfalt des Lebens

Biodiversität ≠ Artenvielfalt

Biodiversität ist ein Begriff, den man an vielen Stellen liest, aber was genau ist damit gemeint? Einfach ausgedrückt ist Biodiversität die Vielfalt des Lebens auf der Erde. Viele Menschen, vor allem in Deutschland, verwenden den Begriff Artenvielfalt als Synonym für Biodiversität, aber das greift zu kurz. Denn eine hohe Biodiversität bezieht sich nicht nur darauf, dass es viele Arten von Lebewesen (z.B. Tiere, Pflanzen, Pilze) gibt, sondern auch darauf, dass es unter ihnen eine große genetische Vielfalt gibt. Eine dritte Komponente kommt hinzu: die Vielfalt der Lebensräume. Um euch diese drei Formen der Biodiversität genauer zu erklären, folgen in den nächsten Wochen weitere Flora Storys, die sich mit den einzelnen Formen näher beschäftigen. Nicht verpassen!

Verlust von Biodiversität

Im Mai 2019 wurde der „Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services“  veröffentlicht. Der Bericht zeigt den alarmierenden Zustand der globalen Biodiversität auf. Daten aus den Jahren 1970 bis 2018 für insgesamt 31.821 Populationen von 5.230 Arten aus aller Welt zeigen, dass die Populationsgrößen der beobachteten Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien und Fische im Durchschnitt um 69 Prozent geschrumpft sind. Der Hauptgrund dafür liegt im Verlust von vielfältigen Lebensräumen. Durch die immer kleiner werdenden Populationen kommt es zwangsläufig auch zu einem Verlust der genetischen Vielfalt. Deshalb ist es so wichtig, Lebensräume zu schützen oder wiederherzustellen. Genau das ist auch das Motto des diesjährigen Tages der Biodiversität. 

Tag der Biodiversität (22. Mai)

Jedes Jahr wird am 22. Mai der Internationale Tag der Biodiversität begangen. Im Jahr 2024 steht er unter dem Motto „Be part of the Plan“. Dieses Motto ist ein Aufruf zum Handeln, um den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen und umzukehren, denn jeder Mensch interagiert mit der Umwelt und kann Teil des Plans zur Erhaltung der biologischen Vielfalt werden.

Abzeichen: Tag der Artenvielfalt

Flora Incognita wurde entwickelt, um es Dir leicht zu machen, Pflanzenarten kennenzulernen. Nur wer Arten kennt, kann Arten schützen! Deswegen kannst Du Dir am 22. Mai das Abzeichen zum Tag der Artenvielfalt verdienen. Dafür musst Du einfach eine Vielzahl von verschiedenen Pflanzenarten an diesem Tag mit Flora Incognita bestimmen. Es gibt drei Level: Für 10, 20 und 30 verschiedene Arten. Viel Spaß bei dieser Aufgabe!

 

 

Dieser Artikel wurde im Frühjahr 2024 in der Flora-Incognita-App als Story angezeigt. In der Pflanzenbestimmungs-App findest Du jederzeit spannende Informationen zu Pflanzen, Ökologie, Artenkenntnis, sowie Tipps und Tricks zum Pflanzenbestimmen. Schau‘ doch mal rein!