Gewürze: Pfeffer

Echter Pfeffer

Eine Kletterpflanze aus Indien

Ob Pflanze oder Gewürz – mit „Pfeffer“ ist meist beides gemeint. Botanisch handelt es sich um Piper nigrum, eine ausdauernde, verholzende Kletterpflanze von der Malabarküste Indiens. Heute liegen die wichtigsten Anbaugebiete in Vietnam, Indonesien, Indien und Brasilien. Die Pflanze bildet handgroße, ledrige Blätter und kann rund 10 Meter hoch werden, wird in Kultur aber oft auf 3-4 Meter begrenzt.

Aus Blüten werden Pfefferkörner

Die Pfefferkörner sind die verarbeiteten Früchte der Pflanze. An etwa zehn Zentimeter langen, hängenden Ähren entwickeln sich aus unscheinbaren Blüten 50 bis 150 Steinfrüchte. Eine Pflanze kann zweimal jährlich geerntet werden und liefert bis zu 30 Jahre lang gute Erträge.

Vier Farben

Grüner, schwarzer, weißer und roter Pfeffer stammen alle von derselben Pflanzenart. Unterschiede entstehen ausschließlich durch den Reifegrad der Früchte und ihre Verarbeitung. So entstehen aus einer einzigen Art vier Gewürze mit unterschiedlichem Aussehen, Aroma und Schärfe.

Grüner und schwarzer Pfeffer

Grüner Pfeffer wird aus unreifen Früchten gewonnen, die entweder in Salzlake haltbar gemacht oder rasch getrocknet werden. Auch schwarzer Pfeffer wird unreif geerntet. Beim langsamen Trocknen schrumpft die Fruchtschale, färbt sich dunkel und verleiht den Körnern ihr typisches runzliges Aussehen.

Weißer und roter Pfeffer

Weißer Pfeffer entsteht aus vollreifen Früchten. Nach dem Einweichen wird das Fruchtfleisch entfernt, sodass nur der helle Steinkern übrig bleibt. Als besonders edel gilt echter roter Pfeffer: vollreife Früchte, die schonend im Ganzen getrocknet werden. Auch eingelegte reife Früchte werden häufig als roter Pfeffer angeboten.

Rosa Pfeffer

Rosa Pfeffer gehört nicht zu den Pfeffergewächsen. Er stammt von einem Brasilianischen Pfefferbaum (Schinus-Arten), einem Mitglied der Sumachgewächse. Bekannt ist er vor allem als farbiger Bestandteil von buntem Pfeffer, einer Mischung aus schwarzem, weißem und grünem Pfeffer mit rosa Beeren.

Andere „Pfeffer“

Nicht alles, was „Pfeffer“ heißt, ist echter Pfeffer. Cayennepfeffer besteht aus gemahlenen Chilis (Paprika). Szechuanpfeffer wird aus den Fruchtschalen verschiedener Zanthoxylum-Arten gewonnen. Auch Piment ähnelt Pfefferkörnern, stammt aber von einem Myrtengewächs und ist botanisch nicht mit Piper nigrum verwandt.

Gewürze: Muskat

Muskat


Der Muskatnussbaum

Die Muskatnuss trägt ihren Namen zu Unrecht: Botanisch gesehen ist sie nämlich gar keine Nuss. Tatsächlich handelt es sich um den Samen der Frucht des Muskatnussbaums (Myristica fragrans), einem immergrünen Tropenbaum. Ursprünglich stammt er von den Banda-Inseln und den nördlichen Molukken, den berühmten Gewürzinseln Indonesiens. Heute wird Muskat vor allem in Indonesien, Indien und Guatemala angebaut. Seinen Namen verdankt das Gewürz einem Duft, der frühere Händler an Moschus erinnerte.

Blüte und Frucht

Muskatnussbäume sind entweder weiblich oder männlich. Die winzigen, blassgelben weiblichen Blüten sitzen entweder einzeln oder in kleinen Blütenständen zusammen. Aus ihnen entwickeln sich später die Früchte.

Diese sind gelblich, birnenförmig und etwa so groß wie eine Aprikose. Springt die reife Frucht auf, kommt der eigentliche Schatz zum Vorschein: ein etwa drei Zentimeter großer Samen, umhüllt von einem leuchtend roten, netzartigen Samenmantel.

Geschichte

1512 erreichten die Portugiesen die Banda-Inseln und eröffneten den direkten Muskat-Handel. Weil das Gewürz später als Schutz vor der Pest galt, wurde es so wertvoll, dass europäische Kolonialmächte erbittert darum kämpften. Die Niederländer errichteten schließlich ein Monopol und tauschten 1667 sogar Manhattan gegen die Muskatinsel Run ein. Erst im 18. Jahrhundert wurde das Monopol durch den Schmuggel von Muskatpflanzen gebrochen.

Inhaltsstoffe

Muskat ist reich an Inhaltsstoffen: Der Samen enthält rund 30 bis 40 Prozent fettes Öl sowie fünf bis 15 Prozent ätherisches Öl. Mazis besitzt ebenfalls einen hohen Ölanteil und enthält unter anderem Harze, Lignane und den roten Farbstoff Lycopin. Wegen der Gefahr von Schimmelpilzen in beschädigten Kernen empfiehlt es sich, möglichst ganze Muskatnüsse zu kaufen und sie erst kurz vor der Verwendung zu reiben.

In der Küche

Frisch gerieben entfaltet Muskat sein volles Aroma, das allerdings schnell verfliegt. Deshalb schmeckt eine frisch geriebene Nuss deutlich intensiver als fertig gemahlenes Pulver. Auch das Fruchtfleisch wird genutzt, etwa für Konfitüren oder Sirup. In der Lebensmittelindustrie kommt häufig Muskatöl zum Einsatz, außerdem findet es Verwendung in Zahnpasten, Parfüms und einigen Arzneimitteln zur Geschmacksverbesserung.

Vorsicht, leicht giftig!

Muskat sollte allerdings sparsam dosiert werden. Kleine Mengen verleihen Kartoffelpüree, Spinat oder Béchamelsauce ihr typisches Aroma. Größere Mengen können dagegen wegen Inhaltsstoffen wie Myristicin zu Vergiftungserscheinungen mit Übelkeit, Halluzinationen und Herzrasen führen. Wie so oft gilt also: Die richtige Dosis macht den Genuss.
Safranfäden, Rainer Zenz, gemeinfrei

Gewürze: Safran

Safran

Wertvolle Blütenteile

Im Herbst, wenn viele Pflanzen sich bereits zurückziehen, öffnet der Safran-Krokus (Crocus sativus) seine zart violetten Blüten. Unspektakulär auf den ersten Blick – und doch beherbergen diese eines der kostbarsten Produkte der Pflanzenwelt.
Die Blüte folgt dem klassischen Bauplan der Schwertliliengewächse: sechs Kronblätter, und darunter verborgen die drei leuchtend roten, fadenförmigen Narben. Diese sitzen am Ende des Griffels und sind Teil des weiblichen Blütenorgans. Botanisch dienen sie dazu, den Pollen der Pflanze aufzunehmen. Für uns Menschen erfüllen diese Fruchtblätter allerdings eine andere Aufgabe: Sie werden als Gewürz benutzt.

Anbau und Ernte

Aus jeder Blüte lassen sich genau drei Narben gewinnen. Für ein Kilogramm Safran müssen also etwa 150.000 bis 200.000 Blüten gepflückt werden – jede einzelne von Hand. Geübte Erntehelfer:innen schaffen gerade einmal 60–80 Gramm pro Tag. Kein Wunder also, dass Safran Preise von bis zu 30.000 € pro Kilogramm erreichen kann – ein Gewürz, das gelegentlich mit Gold verglichen wird. Der Anbau konzentriert sich auf Regionen mit trockenen Sommern und milden Wintern, wie etwa im Iran, Indien oder im Mittelmeerraum. Aber auch in Österreich und Deutschland gibt es kleinere Anbaugebiete mit langer Tradition.

Ein weltweiter Klon

Der Safran-Krokus ist triploid und steril. Das bedeutet, dass er keine keimfähigen Samen produziert und sich nur vegetativ, also über Tochterknollen, vermehren kann. Knollen? Richtig. Auch wenn Krokusse gern als Zwiebelpflanzen angesehen werden, handelt es sich bei den unterirdischen Speicherorganen um Knollen!

Forschung: Die Herkunft des Safran-Krokus

Lange war unklar, woher genau diese Pflanze stammt. Erst im Jahr 2019 konnten Biologen der Technischen Universität Dresden dieses botanische Rätsel lösen.
Ihre Untersuchungen zeigten, dass der Safran-Krokus (Crocus sativus) aus der Wildart Crocus cartwrightianus hervorgegangen ist. Genauer gesagt entstand er durch die Verschmelzung der Genome zweier leicht unterschiedlicher Individuen – sogenannter Zytotypen – innerhalb dieser Art. Damit ließ sich auch erklären, warum der Safran-Krokus triploid und steril ist.
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift New Phytologist veröffentlicht (Schmidt et al., [2019](https://doi.org/10.1111/nph.15715)).
Eine frühere Studie kam zudem zu dem Schluss, dass die Entstehung des Safrans höchstwahrscheinlich ein einmaliges Ereignis war. Darauf deutet hin, dass heute weltweit praktisch keine genetische und nur sehr geringe phänotypische Vielfalt innerhalb der Art zu finden ist (Fluch et al., [2010](https://ishs.org/ishs-article/850_4/))

In der Küche

Als Gewürz schließlich entfaltet Safran seine wohl bekannteste Wirkung. Schon wenige Fäden genügen, um Speisen wie Risotto, Paella, Chimichurri de azafran, einfachem Reis, aber auch Süßigkeiten oder Kaffee eine intensive goldgelbe Farbe und ein charakteristisches Aroma zu verleihen. Man verwendet die Fäden als Pulver oder weicht sie in warmen Wasser ein, und gibt dieses nach dem Garprozess zum Gericht, um die flüchtigen ätherischen Öle bestmöglich zu schonen.

Gewürze: Vanille

Vanille

Ein Orchideengewächs unter den Gewürzen

Orchideen würde man wohl eher in tropischen Wäldern als im Gewürzregal vermuten. Tatsächlich gehört Vanille genau zu dieser Pflanzenfamilie, genauer zur Gattung Vanilla. Wie alle Orchideen bildet sie nach erfolgreicher Bestäubung eine Kapsel mit sehr vielen winzigen Samen. Bei Vanille entwickelt sich diese jedoch zu einer sehr langen Frucht, die durch aufwendige Nachernteprozesse ihr typisches Aroma erhält.

Eine Kletterpflanze im Tropenwald

Die Vanillepflanze ist eine immergrüne Kletterorchidee. Sie bildet Luftwurzeln, die sowohl der Verankerung als auch der Wasseraufnahme dienen können. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt in den feuchtwarmen Tieflandwäldern Mittelamerikas, insbesondere im heutigen Südosten Mexikos sowie Teilen Zentralamerikas. Dort wächst sie in halbschattigen Waldstrukturen mit hoher Luftfeuchtigkeit und gleichmäßigen Temperaturen. „Aber die Vanille kommt doch aus Madagaskar?!“ Nein. hier liegt „nur“ ihr Schwerpunkt im industriellen Anbau.

Eine Blüte mit spezieller Bestäubung

Vanilleblüten sind nur wenige Stunden bis maximal einen Tag geöffnet. In ihrer Ursprungsregion werden sie vor allem von stachellosen Bienen (Meliponini) bestäubt, die die spezielle Blütenform überwinden können. Außerhalb dieses Systems fehlt dieser ökologische Partner, weshalb zur industriellen Produktion Handbestäubung notwendig ist.

Die „Schote“, die eine Kapsel ist

Die Vanillefrucht ist botanisch eine Kapsel und entwickelt sich nach erfolgreicher Bestäubung über etwa 6–9 Monate. Geerntet wird sie unreif, da erst die Nachernteprozesse die volle Aromaentwicklung ermöglichen. Die Samen sind in einer klebrigen Matrix eingebettet.

Aromabildung aus Vorstufen

Frische Vanille enthält kaum freies Aroma; entscheidend sind Vorstufen wie Glucovanillin, die nach der Ernte enzymatisch zu Vanillin und weiteren Duftstoffen umgewandelt werden. Neben Vanilla planifolia  unterscheiden sich auch andere Arten deutlich: V. tahitensis weist stärker blumig-anisartige Noten mit geringerer Vanillin-Konzentration auf, während Vanilla pompona ein schwereres, balsamisches Profil besitzt. Diese chemischen Unterschiede bestimmen ihre Nutzung in Gastronomie oder Parfümerie.

Von der Frucht zum Gewürz

Die Nacherntebehandlung besteht aus mehreren klar getrennten Phasen: Abtöten des Fruchtgewebes durch Wärme, enzymatische „Schwitzphase“, kontrollierte Trocknung und anschließende Reifung. Diese Schritte steuern Sauerstoff-, Wasser- und Temperaturverhältnisse so, dass Aromavorstufen effizient umgesetzt werden.

(Echte) Vanille im Verkauf?

Vanille gehört zu den arbeitsintensivsten Kulturpflanzen, da jede Blüte einzeln bestäubt und jede Frucht einzeln geerntet wird. Die geringe natürliche Bestäubung und der hohe Verarbeitungsaufwand führen zu starken Preisschwankungen. Ein großer Teil des Vanillearomas wird deshalb synthetisch produziert.
Bestäubung per Hand.

Gewürze: Kapern

Kapern

Eingelegte Blütenknospen 

Die kleinen grünen Kügelchen, deren würziges Aroma bei vielen Begeisterung und bei anderen eher das Gegenteil auslöst, sind die unreifen Blütenknospen des Kapernstrauchs Capparis spinosa. Diese werden von Hand geerntet und anschließend etwas welken gelassen, wonach sie in Salzlake und Essig eingelegt werden. Die dabei entstehenden Senfölglycoside und Caprinsäure sorgen schließlich für den typischen pikanten Geschmack.

Kapernstrauch

Capparis spinosa ist im Mittelmeerraum heimisch, findet sich aber mittlerweile auch in anderen Gebieten wie der Arabischen Halbinsel, dem Kaukasus, Indien, Nepal, den Philippinen und den Kanaren. Der wirtschaftliche Anbau hat Schwerpunkte in Südfrankreich und auf den Äolischen Inseln. Es handelt sich hierbei um einen kleinen, dornigen Strauch, dessen Zweige häufig niedergedrückt auf der Erde entlangwachsen. Werden die Knospen nicht geerntet, entwickeln sich zauberhafte und duftende Blüten daraus, mit großen, weißen Blütenblättern und bis zu 100 violetten Staubblättern. Aus ihnen entstehen beerenartige Früchte, die als Kapernäpfel ebenfalls in der Küche Verwendung finden.

Auf dem Teller

Eingelegte Kapern gibt es in verschiedenen Größen – je kleiner, umso hochwertiger sind sie. Werden sie in warmen Gerichten wie Königsberger Klopsen oder Frikassee verwendet, gibt man sie nur kurz zum Ende der Garzeit hinzu. Kapern die durch Einsalzen bearbeitet werden – typisch für spanische und italienische Gerichte – werden zuvor gewässert. Kapernbeeren, die Früchte des Strauchs, eingelegt in Essig oder Öl, sind in Spanien beliebt als Tapas; und in Griechenland und auf Zypern gelten die Blätter des Strauchs in Salz oder Essig eingelegt als Delikatesse.

Eine lange Geschichte

Für den Verzehr von Kapern gibt es archäologische Belege, die mehrere Jahrtausende zurückreichen. In Tell es-Sa’idiyeh im heutigen Jordan fand man verkohlte Kapernknospen in einer Schale. Sie stammen aus der frühen Bronzezeit (ca. 2000 v. Chr.).Ein großes Feuer konservierte den Raum, in dem sie lagen. Vermutlich handelte es sich um eine Vorratskammer. Experimente mit frischen und getrockneten Früchten (Weintrauben, Feigen, Oliven, Granatapfel, Getreidekörner) zeigen: Die Funde verbrannten nicht im frischen Zustand. Sie waren bereits zuvor getrocknet und damit haltbar gemacht worden. Die Kapern wurden wahrscheinlich in Essig eingelegt.
(Quelle: Caroline R. Cartwright: Grapes or raisins? An early Bronze Age larder under the microscope. In: Antiquity. 296, 2003, 345–348.)

Blütenkunde: Vielfalt der Blütenstände

Blütenvielfalt
Die farbenfrohen Blüten der verschiedenen Pflanzenarten faszinieren uns immer wieder. Einige Arten wie beispielsweise Buschwindröschen (Anemone nemorosa) bilden nur unscheinbare einzelne Blüten aus. Andere wiederum fallen uns besonders durch die Vielzahl an Blüten auf, welche sich zu einem Blütenstand zusammensetzen.

Anemone nemorosa. Foto: Anke Bebber.

Einzelblüten
Der allgemeine Aufbau einer Blüte kann wie folgt beschrieben werden: Die jeweiligen Blüten sitzen an den oberen Enden der Blütenstängel, welcher verdickt ist und den Blütenboden bildet. Am Blütenboden können dann bis zu vier Typen modifizierter Blätter ansetzen: Kelchblätter, Kronblätter, Staubblätter und Fruchtblätter. Während die Kelch- und Kronblätter steril sind, stellen die Staub- und Fruchtblätter den fertilen Teil des Blütenorgans dar. Bei vielen Pflanzenarten wird das Wachstum des Hauptsprosses mit der Bildung einer einzelnen Blüte abgeschlossen.

Bildnachweis: Bernd Otten, CC BY 4.0

Aufbau einer Blüte. Grafik von Bernd Otten, CC BY 4.0.

Blütenstand
Häufiger entsteht jedoch durch Verzweigungen der Sprossachse eine Vielzahl an Blüten, sodass es zur Bildung eines Blütenstandes (Infloreszenz) kommt. In diesen Blütenständen werden die Blätter meist auch nicht als Laubblätter ausgebildet, sondern als kleinere Trag- oder Vorblätter. Weiterhin können die vielfältigen Arten der Blütenstände auch unterschiedlich gegliedert werden, wie beispielsweise in einfache und zusammengesetzte Blütenstände.

Echium vulgare, Martina Hartel

Echium vulgare. Foto: Martina Hartel.

Traube
Ein Merkmal von einfachen Blütenständen ist die Bildung einer unverzweigten Blütenstandsachse. Die Traube ist eine Form der einfachen Infloreszenz. Bei ihr stehen ausschließlich gestielte Einzelblüten an der Hauptachse. Beispiele dafür finden wir unter anderem beim Schmalblättrigen Weidenröschen (Epilobium angustifolium), dem Roten Fingerhut (Digitalis purpurea) oder dem Kleinen Odermennig (Agrimonia eupatoria).

Digitalis purpurea, Martina Hartel

Digitalis purpurea. Foto: Martina Hartel.

Ähre
Auch die Ähre ist eine Form der einfachen Infloreszenzen. Hierbei stehen die ungestielte Einzelblüten direkt an der Hauptachse. Typische Beispielarten sind die sogenannten Ährengräser, wie der Ausdauernde Lolch (Lolium perenne) oder Weizen (Triticum aestivum). Unter den Kräutern finden wir Ähren z.B. bei den Wegerichen, wie dem Spitz-Wegerich (Plantago lanecolata), oder – mit etwas farbenfroherem Blütenstand – bei den Gladiolen wie z.B. der Art Sumpf-Siegwurz (Gladiolus palustris).

Plantago lanecolata, Martina Hartel

Plantago lanecolata. Foto: Martina Hartel.

Kätzchen
Als Kätzchen werden in der Botanik die oft hängenden, männlichen Blütenstände einiger Bäume oder Sträucher bezeichnet. Diese bestehen aus kleinen unscheinbaren Einzelblüten, welche als Traube oder Ähre wachsen. Die sogenannten Weidenkätzchen werden an allen Weiden-Arten gebildet, wobei besonders die früh austreibenden, flauschigen Kätzchen der Sal-Weide (Salix caprea) bekannt sind. Aber auch viele andere bekannten Bäume bilden Kätzchen aus, wie z.B. die Stiel-Eiche (Quercus robur), der Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana) oder die Hänge-Birke (Betula pendula).

Betula pendula, Flora Capture

Betula pendula via Flora Capture.

Dolde
Bei der Dolde wird von einem Blütenstand gesprochen, bei welchem die gestielten Blüten alle von einem Punkt ausgehen. Die Hauptachse ist somit stark verkürzt. Häufig sieht der Blütenstand dann schirmförmig aus, weshalb die Pflanzen aus der Familie der Doldenblütler oft auch als Schirmblütler (Umbelliferae) bezeichnet werden. Bekannte Pflanzen mit Dolden als Blütenstand sind z.B. der Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium), der Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris), aber auch die Wiesen-Primel (Primula veris).

Heracleum sphondylium, Ralf Littger

Heracleum sphondylium. Foto: Ralf Littger.

Rispe
Bei zusammengesetzten Infloreszenzen wird eine verzweigte Blütenstandsachse ausgebildet. Die Seitenachsen der Rispe sind hierbei monopodial verzweigt. Das bedeutet, es gibt eine durchgehende Hauptachse, von welcher die Teilblütenstände abgehen. Typische Beispiele findet man bei den Rispengräsern, wie dem Wiesen-Rispengras (Poa pratensis), aber auch beim Gewöhnlichen Knaulgras (Dactylis glomerata). Erstaunlicherweise ist auch der Blütenstand der Weinrebe (Vitis vinifera) nicht etwa eine Traube, sondern eine Rispe!

Poa pratensis, Michael Rzanny

Poa pratensis. Foto: Michael Rzanny.

Der Walddoktor: Sturmschäden

Stürme sind ein fester Bestandteil unseres Klimas, die deutliche Spuren in unseren Wäldern hinterlassen. Sturmschäden sind zwar natürliche und ökologische Störungen, können jedoch für Waldbesitzer erhebliche wirtschaftliche Folgen mit sich bringen. Ereignisse wie Orkane Vivian (1990), Wiebke (1990), Lothar (1999) und Kyrill (2007) zeigen, wie stark Wälder durch Windwürfe und Windbrüche betroffen sein können. Dabei reicht das Schadensbild von einzelnen abgebrochenen Bäumen bis hin zu großflächigen Schadflächen mit Tausenden umgestürzten Bäumen.

Wichtige Einflussfaktoren

Das Ausmaß von Sturmschäden hängt von mehreren Umwelt- und waldbaulichen Faktoren ab, wie beispielsweise der Windstärke und -geschwindigkeit. Dabei verursachen Stürme mit Windgeschwindigkeiten von über 130 km/h meist großflächige Schäden. Besonders Kuppen und geneigte Hanglagen in Windrichtung gelten als anfällig. Auch auf flachgründigen, kiesig-sandigen und besonders feuchten Böden besteht eine erhöhte Windwurfgefahr.

Anfälligkeit des Baumbestandes

Bäume mit Pfahlwurzeln, wie junge Weißtannen, Kiefern oder Eichen sind besser im Boden verankert und daher widerstandsfähiger gegen Windwurf als solche mit flachem Wurzelsystem, wie der Fichte. Je höher und älter ein Baum, desto größer ist in der Regel die Sturmanfälligkeit. Nadelbäume wie Fichten, Tannen und Douglasien sind anfälliger als Laubbäume, die im Winter durch das fehlende Laub weniger Angriffsfläche bieten. Mehrschichtige, strukturreiche Wälder mit verschiedenen Baumarten sind stabiler als ein- oder zweischichtige Bestände mit nur einer Baumart. Die verschiedenen Höhen und Strukturen bremsen den Wind auf natürliche Weise: Es entstehen feine Luftwirbel, die die die Windlast am Baum abschwächen. Dadurch werden einzelne Bäume entlastet und das Schadausmaß sinkt.

Auswirkungen durch Durchforstung

Eine Durchforstung – also das gezielte Entfernen einzelner Bäume – bringt einen Waldbestand für einige Jahre aus dem Gleichgewicht. Das geschlossene Kronendach wird aufgelockert und die verbleibenden Bäume verlieren vorübergehend den schützenden Halt ihrer Nachbarn. Bereits bestehende Schäden durch Stürme und Pilzbefall erhöhen die Gefährdung zusätzlich.

Folgeschäden durch Borkenkäfer

Sturmschäden führen zu großen Mengen an Schadholz, was dessen Aufarbeitung, Transport und Vermarktung erschwert. Durch die große Menge verfügbaren Materials können die Holzpreise sinken. Nach größeren Sturmereignissen müssen Waldbesitzer:innen auch mit Insektenkalamitäten durch z.B. Borkenkäfer rechnen, denn geschwächte Bäume bleiben länger stehen als empfohlen. In den Vegetationsperioden nach einem Windwurf muss man mit einer enormen Zunahme der Käferpopulation rechnen. Spielt das Wetter mit, kann solch eine Massenvermehrung mehrere Jahre andauern. Nach Stürmen ist daher ein schnelles Aufräumen und sanieren wichtig, um den Käferbefall einzudämmen.

Natürliche Walddynamik

Für die Natur ist ein Sturm eine ökologische Störung, also ein normales Ereignis in der natürlichen Walddynamik. Die Natur hat die Fähigkeit, sich über Jahrzehnte hinweg zu regenerieren. Windwurfflächen zeichnen sich durch eine hohe Biodiversität aus: zahlreiche Insekten profitieren von den helleren und wärmeren klimatischen Bedingungen, was auch Vögeln, Fledermäusen und anderen Tieren zugutekommt. Lichtdurchflutete „Löcher“ im Wald bieten Lebensraum für seltene Arten und unterstützen den genetischen Austausch.

Ein Blick in die Zukunft

Wie sich das Auftreten von Sturmereignissen in Zukunft entwickelt, kann man auch mit den derzeitigen Klimaprognosen nicht genau vorhersagen. Laut Deutschem Wetterdienst und den Ergebnissen des Extremwetterkongresses Hamburg zeigten sich in Deutschland schwächere Windverhältnisse während der zwei letzten Jahrzehnte im Vergleich zu den beiden Jahrzehnten vor dem Jahr 2000. Dennoch werden extreme Stürme auch in Zukunft immer wieder auftreten.

Tipps für Waldbesitzer:innen

Durch umsichtiges Management können Förster:innen die Sturmanfälligkeit reduzieren und die Widerstandsfähigkeit der Wälder erhöhen. Dazu gehört zum Beispiel:

  • Das Fördern von strukturreichen Mischbeständen mit Laubbaumanteilen (z.B. Buche) und stabileren Nadelarten (Kiefer, Lärche). Mehrschichtige Wälder sind stabiler, da sie Windlasten besser verteilen.
  • Förderung der Naturverjüngung: Natürliche Jungbäume wachsen mit besserem Wurzelwerk als gepflanzte. Mit einer gesicherten Naturverjüngung steht die nächste Waldgeneration bereits in den Startlöchern, egal ob ein Sturm kommt oder nicht.
  • Waldrandgestaltung: Flach ansteigende, winddurchlässige Waldränder verringern Windgeschwindigkeiten im Inneren. Außerdem können strukturreiche Waldränder als Übergang vom Wald zum Offenland sehr artenreich sein und zahlreiche geschützte Arten beherbergen.
  • Vermeidung von Stammverletzungen: Umsicht bei der Waldarbeit schützt vor Pilzbefall, der Bäume zusätzlich schwächt.

Der Walddoktor

Die Story-Serie „Der Walddoktor“ entsteht in Zusammenarbeit des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie und der TU Ilmenau mit dem Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha von ThüringenForst im Rahmen des Projektes „Der Walddoktor“. Dieses wird durch das Bundesamt für Bildung und Forschung, das Förderprogramm „Wir! – Wandel durch Innovation in der Region“ und das Bündnis Holz-21-regio gefördert.

 

Serie: Gewürze

Die Gewürznelke

Aromatische Knospen

Gewürznelken sind die getrockneten Blütenknospen des Gewürznelkenbaums (Syzygium aromaticum), welcher auf den Molukken heimisch ist, einer indonesischen Inselgruppe. Taxonomisch gehört er zu den Myrtengewächsen, ist damit unter anderem mit der Gemeinen Myrte (Myrtus communis), der Guave und mit Eukalyptus-Arten verwandt. Der immergrüne, etwa 10 Meter große Baum bildet zahlreiche kurze Rispen aus, an denen die Blüten sitzen. Die 1-2 cm langen Knospen werden in einem knappen Zeitfenster unmittelbar vor dem Erblühen von Hand gepflückt. Anschließend werden sie in der Sonne getrocknet, bis sie hart sind und drei Viertel ihres Gewichts verloren haben.

Gewürz

Ätherische Ölen machen bis zu 15% ihres Gewichts aus, deswegen fühlen sich gute Gewürznelken leicht fettig an und sondern etwas Öl ab, wenn man mit dem Fingernagel gegen den Stiel drückt. Alternativ kann man den Schwimmtest machen: Entölte Nelken schwimmen waagerecht auf der Wasseroberfläche, während noch frische Exemplare absinken oder zumindest senkrecht mit dem Köpfchen nach oben im Wasser schweben. 70-85% der ätherischen Öle macht Eugenol aus, welches auch in Zimt vorhanden ist.

Verwendung

Gewürznelken werden in der Küche der asiatischen, afrikanischen, mediterranen Länder sowie des Nahen und Mittleren Ostens verwendet, um Fleisch, Currys und Marinaden sowie Obst zu würzen. In Europa sind sie häufig in Weihnachtsgebäck zu finden, während sie in Nordamerika als Teil von „Pumpkin Spice“ Gewürzmischungen sehr beliebt sind. Möchtest Du Nelken reiben, verwende nur das runde Köpfchen, da der Stiel sehr bitter ist. In Suppen oder anderen Gerichten kochst Du sie als Ganzes mit und entnimmt sie nach dem Ende der Garzeit.

Aber es gibt auch medizinische Anwendungsgebiete: Kaut man Gewürznelken, wird im Mund Eugenol freigesetzt. Dieses hat eine leicht betäubende Wirkung, weshalb Nelken ein Hausmittel bei Zahnschmerzen sind. Des Weiteren sind antimikrobielle, antifungale, antioxidative, antitumorale und entzündungshemmende Eigenschaften dokumentiert. Willst Du mehr über die gesundheitlichen Aspekte von Gewürznelken wissen, sprich bitte mit Deiner Ärztin, Deinem Arzt oder in der Apotheke darüber.

Trivia

Der deutsche Name „Nelke“ bezieht sich auf die Form der Knospen – sie erinnern an kleine Nägel („Näglein“). Im Volkslied „Guten Abend, gut‘ Nacht“ wird auf ihre Schutzwirkung hingewiesen:

Guten Abend, gute Nacht,
Mit Rosen bedacht,
Mit Näglein besteckt,
Schlupf’ unter die Deck’,

Während die Rosen symbolisch ein schützendes Dach bilden sollten, stehen Gewürznelken mit ihrem hohen Anteil an ätherischen Ölen für die Bitte, das schlafende Kind vor Ungeziefer und Krankheitserregern zu schützen.

Invasive Pflanzen in der EU Teil 6: Einjährige Pflanzen

Unionsliste invasiver Arten

In der EU gibt es rund 12.000 gebietsfremde Arten. Ein kleiner Teil von ihnen erfordert besondere Aufmerksamkeit, da sie heimische Arten in ihrem Bestand gefährden können.

Die EU-Verordnung über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten soll verhindern, dass sich diese Arten ausbreiten, beziehungsweise ein schnelles Reagieren ermöglichen, wenn sich erste Anzeichen einer Ausbreitung zeigen. Um welche Arten genau es sich handelt, steht in der „Unionsliste“. Von den insgesamt 88 aufgeführten invasiven Arten sind 40 Gefäßpflanzen. In einer Artikel-Serie, die zunächst in der Flora-Incognita-App veröffentlicht wurde, stellen wir diese vor. Auf unserer Website findest Du außerdem die Beiträge zu invasiven Sträuchern und Bäumen, Gräsern, Wasser- und Kletterpflanzen sowie mehrjährigen krautigen Pflanzen zum Nachlesen. In diesem Beitrag geht es um einjährige krautige (also nicht verholzende) Pflanzen.

Impatiens glandulifera, das Drüsige Springkraut

Das aus Indien stammende Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) ist in weiten Teilen Europas verbreitet, wo es vor allem feuchte Wälder sowie Auen- und Uferlandschaften besiedelt. Die Pflanzen können sehr schnell über 2,5 Meter groß werden und bilden ein dichtes, flaches Wurzelgeflecht. Durch ihre großen Blätter und dichten Bestände beschatten sie ihren Standort so stark, dass sich im Jahresverlauf keine anderen Pflanzen ansiedeln können. Stirbt das Springkraut im Herbst ab, bleibt der Boden kahl und anfällig für Erosion zurück. Das ist insbesondere an Wasserläufen problematisch. Da es einjährig ist, kann man erste Ansiedlungen des Springkrauts noch gut bekämpfen, indem man die Pflanzen vor der Samenreife tief abschneidet. Auch ein Ausreißen ist wirksam, wenn alle Pflanzenteile schnell kompostiert werden. Verbleiben Sprossteile in der Erde, schlagen sie sehr schnell neue Wurzeln.

Parthenium hysterophorus, das Karottenkraut

Von März bis November blüht das Karottenkraut (Parthenium hysterophorus). In Belgien und Polen gibt es bereits Bestände, die aktuell bekämpft werden. Durch den Klimawandel gehen Expert:innen davon aus, dass weitere Regionen für eine Besiedlung in Frage kommen werden.  Schon wenige Pflanzen produzieren sehr viele Samen, die vom Wind weit verbreitet werden und lange keimfähig bleiben. In Weide- und Ackerflächen sowie im Gartenbau gilt das Karottenkraut als besonders problematisch, da die Art allelopathische Eigenschaften hat – sie gibt Stoffe an ihre Umgebung ab, die das Wachstum anderer Pflanzen unterdrückt. Aber auch für den Menschen ist die Art nicht ohne: Die Inhaltsstoffe können Heuschnupfen und Dermatitis auslösen.

Ausbreitung dokumentieren

Wenn Du Pflanzen mit Flora incognita bestimmst und dabei den Standort freigibst, wird Dein Fund Teil einer wissenschaftlichen Datensammlung, die unseren Wissenschaftler:innen ermöglicht, die Verbreitung von Arten in Zeit und Raum zu erforschen. Unsere Forschungsarbeiten kannst Du hier nachlesen. Aber auch naturschutzfachliche Management-Maßnahmen lassen sich mit diesen Daten schnell und effektiv planen und durchführen. Danke für Deine Hilfe!

Achtung! Die auf der Unionsliste geführten Arten dürfen nicht vorsätzlich in das Gebiet der EU verbracht werden, gehalten, gezüchtet, gehandelt, verwendet, getauscht, zur Fortpflanzung gebracht und in die Umwelt freigesetzt werden!

Titelbild: Drüsiges Springkraut. (MHNT) Impatiens glandulifera.jpg von Didier Descouens. CC BY-SA 4.0

Invasive Pflanzen in der EU Teil 5: Zwei- bis mehrjährige krautige Pflanzen

Unionsliste invasiver Arten

In der EU gibt es rund 12.000 gebietsfremde Arten. Ein kleiner Teil von ihnen erfordert besondere Aufmerksamkeit, da sie heimische Arten in ihrem Bestand gefährden können.

Die EU-Verordnung über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten soll verhindern, dass sich diese Arten ausbreiten, beziehungsweise ein schnelles Reagieren ermöglichen, wenn sich erste Anzeichen einer Ausbreitung zeigen. Um welche Arten genau es sich handelt, steht in der „Unionsliste“. Von den insgesamt 88 aufgeführten invasiven Arten sind 40 Gefäßpflanzen. In dieser Artikel-Serie, die zuvor in der Flora-Incognita-App veröffentlicht wurde, stellen wir diese vor. Auf unserer Website findest Du außerdem die Beiträge zu invasiven Sträuchern und Bäumen, Gräsern, Wasser- und Kletterpflanzen zum Nachlesen. In Teil 5 geht es um zwei- bis mehrjährige krautige (also nicht verholzende) Pflanzen.

Gunnera tinctoria, das Mammutblatt

Die auch als Chilenischer Riesenrhabarber bezeichnete Gunnera tinctoria wurde 1849 in England eingeführt. Von dort sind seit 1908 verwilderte Bestände bekannt, seit den 1930er Jahren auch aus Irland. In weiteren europäischen Ländern gibt es bereits vereinzelte und etablierte Populationen. Das Mammutblatt liebt Uferbereiche von Fließ- und Stillgewässern, aber auch Straßenränder und Steinbrüche. Es bildet Dominanzbestände, die alle ursprüngliche Vegetation beschattet und damit verdrängt. Zudem beeinflusst das dichte Rhizomsystem des Mammutblatts den Nährstoffhaushalt des Bodens.

Heracleum persicum, der Persische Bärenklau

Heracleum persicum wurde als Zierpflanze für Botanische Gärten aus Zentralasien nach Europa eingeführt. Derzeit kommt er verwildert nur in Nordeuropa vor, wo er sich rasch an der Meeresküste und an Flussläufen ausbreitet und durch Dominanzbestände andere Arten verdrängt. Die genaue Abgrenzung zu den beiden anderen Heracleum-Arten der Unionsliste stellt selbst Expert:innen mitunter vor eine Herausforderung:

Heracleum mantegazzianum, der Riesen-Bärenklau

Der aus dem West-Kaukasus stammende Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) galt als gute Bienenweide und war zudem beliebt als Anpflanzung von Deckungsgrün für Wildtiere. Durch Bauschutt und Gartenabfälle wurde die Art rasch weiter verbreitet. Mit bis zu fünf Metern Höhe, einem Stängeldurchmesser von etwa 10 cm und Blättern, die bis zu zwei Meter lang werden sind sie imposante Gewächse, die allerdings erhebliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben. Ihr Saft enthält phototoxische Inhaltsstoffe, die bei Berührung und Sonneneinstrahlung schwere Hautentzündungen und Verbrennungen hervorrufen können. Dichte Bestände dieser Art haben negative Auswirkungen auf die Pflanzenzusammensetzung und die Samenbank im Boden. Das Management des Riesen-Bärenklaus wird in Deutschland auf 10 Millionen Euro pro Jahr geschätzt.

Heracleum sosnowskyi, der Sosnowskyi-Bärenklau

Auch Heracleum sosnowskyi wurde als Zierpflanze und Bienenweide nach Europa eingeführt. Wie die anderen beiden Heracleum-Arten verbreitet er sich über Sprossteile in Erd- und Bodentransporten, sowie durch die zahlreichen Samen, die pro Saison ausgebildet werden. In den baltischen Staaten, dem europäischen Teil Russlands und in der Ukraine gibt es bereits stabile Populationen, in weiteren Ländern gibt es unbeständige Funde. Wie die anderen Heracleum-Arten auch verdrängt er bestehende Vielfalt, verändert die Bodenchemie und führt bei Berührung zu starken phototoxischen Verbrennungen.

Lespedeza cuneata, der Japanische Klee

Der Japanische Klee (Lespedeza cuneata) gilt als gute Futterpflanze und wurde möglicherweise über Heuimporte nach Europa eingeschleppt. Auch die Auswilderung aus gärtnerischen Einrichtungen gilt als möglicher Importweg. Vor allem Regionen im nördlicheren Europa mit trockneren Wintern und feuchten Sommern könnten von dieser Art besiedelt werden; Wiesen, Weiden, naturnahes Grasland und Heideland sind bevorzugte Habitate. Studien aus anderen Regionen zeigen, dass die Art andere durch dichte Bestände verdrängt, den Boden durch Stickstoffanreicherung chemisch verändert und mehr Bestäuber anzieht als gleichzeitig blühende einheimische Arten.

Koenigia polystachya, der Himalaja-Bergknöterich

In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet besiedelt der Himalaja-Bergknöterich (Koenigia polystachya) Wälder und Täler in hohen Lagen zwischen 2.200 und 4.500 m. Er vermehrt sich sowohl über Samen als auch vegetativ. Schon Stängelabschnitte von einem Zentimeter können ausreichen, um eine neue Kolonie zu gründen. Einmal etabliert, bildet die Art dichte Bestände aus, die den sensiblen heimischen alpinen bis subalpinen Arten keinen Raum mehr lassen. Aber auch außerhalb von Gebirgen findet man den Himalaja-Bergknöterich entlang von Straßenrändern und anderen Transportwegen wie Bahnschienen, an Waldrändern und Wiesen, Gewässerufern, in Feuchtgebieten und in Städten und Dörfern.

Lysichiton americanus, die Gelbe Scheincalla

Schön anzusehen, doch eine Gefahr für die regionale Artenvielfalt: die Gelbe Scheincalla (Lysichiton americanus) hielt als Zierpflanze Einzug in Europa, und wurde mitunter absichtlich ins Freiland ausgebracht. An naturnahen, beschatteten Ufern von Fließgewässern, Quellen, Sümpfen und Bruchwäldern verbreitet sie sich vor allem vegetativ, aber auch über die vielen Samen, die sie ausbildet (300 bis 650 pro Kolben). Pflanzen dieser Art können bis zu 80 Jahre alt werden und wachsen langsam – was sie von anderen, sich eher aggressiv ausbreitenden invasiven Arten unterscheidet. In Finnland, Schweden, Dänemark, Irland, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Frankreich, Deutschland, und der Schweiz wurde sie bereits nachgewiesen. Die etwa 1 Meter großen kräftigen Pflanzen verdrängen empfindliche Arten der Feuchtgebiete durch Konkurrenz um Ressourcen.

Ausbreitung dokumentieren

Wenn Du Pflanzen mit Flora incognita bestimmst und dabei den Standort freigibst, wird Dein Fund Teil einer wissenschaftlichen Datensammlung, die unseren Wissenschaftler:innen ermöglicht, die Verbreitung von Arten in Zeit und Raum zu erforschen. Unsere Forschungsarbeiten kannst Du hier nachlesen. Aber auch naturschutzfachliche Management-Maßnahmen lassen sich mit diesen Daten schnell und effektiv planen und durchführen. Danke für Deine Hilfe!

Achtung! Die auf der Unionsliste geführten Arten dürfen nicht vorsätzlich in das Gebiet der EU verbracht werden, gehalten, gezüchtet, gehandelt, verwendet, getauscht, zur Fortpflanzung gebracht und in die Umwelt freigesetzt werden!

Titelbild: Persischer Bärenklau. Tromsopalme-topdown.jpg von Krister Brandser. Public Domain.