Der Walddoktor: Sturmschäden

Stürme sind ein fester Bestandteil unseres Klimas, die deutliche Spuren in unseren Wäldern hinterlassen. Sturmschäden sind zwar natürliche und ökologische Störungen, können jedoch für Waldbesitzer erhebliche wirtschaftliche Folgen mit sich bringen. Ereignisse wie Orkane Vivian (1990), Wiebke (1990), Lothar (1999) und Kyrill (2007) zeigen, wie stark Wälder durch Windwürfe und Windbrüche betroffen sein können. Dabei reicht das Schadensbild von einzelnen abgebrochenen Bäumen bis hin zu großflächigen Schadflächen mit Tausenden umgestürzten Bäumen.

Wichtige Einflussfaktoren

Das Ausmaß von Sturmschäden hängt von mehreren Umwelt- und waldbaulichen Faktoren ab, wie beispielsweise der Windstärke und -geschwindigkeit. Dabei verursachen Stürme mit Windgeschwindigkeiten von über 130 km/h meist großflächige Schäden. Besonders Kuppen und geneigte Hanglagen in Windrichtung gelten als anfällig. Auch auf flachgründigen, kiesig-sandigen und besonders feuchten Böden besteht eine erhöhte Windwurfgefahr.

Anfälligkeit des Baumbestandes

Bäume mit Pfahlwurzeln, wie junge Weißtannen, Kiefern oder Eichen sind besser im Boden verankert und daher widerstandsfähiger gegen Windwurf als solche mit flachem Wurzelsystem, wie der Fichte. Je höher und älter ein Baum, desto größer ist in der Regel die Sturmanfälligkeit. Nadelbäume wie Fichten, Tannen und Douglasien sind anfälliger als Laubbäume, die im Winter durch das fehlende Laub weniger Angriffsfläche bieten. Mehrschichtige, strukturreiche Wälder mit verschiedenen Baumarten sind stabiler als ein- oder zweischichtige Bestände mit nur einer Baumart. Die verschiedenen Höhen und Strukturen bremsen den Wind auf natürliche Weise: Es entstehen feine Luftwirbel, die die die Windlast am Baum abschwächen. Dadurch werden einzelne Bäume entlastet und das Schadausmaß sinkt.

Negative Auswirkungen durch Durchforstung

Eine Durchforstung – also das gezielte Entfernen einzelner Bäume – bringt einen Waldbestand für einige Jahre aus dem Gleichgewicht. Das geschlossene Kronendach wird aufgelockert und die verbleibenden Bäume verlieren vorübergehend den schützenden Halt ihrer Nachbarn. Bereits bestehende Schäden durch Stürme und Pilzbefall erhöhen die Gefährdung zusätzlich.

Folgeschäden durch Borkenkäfer

Sturmschäden führen zu großen Mengen an Schadholz, was dessen Aufarbeitung, Transport und Vermarktung erschwert. Durch die große Menge verfügbaren Materials können die Holzpreise sinken. Nach größeren Sturmereignissen müssen Waldbesitzer:innen auch mit Insektenkalamitäten durch z.B. Borkenkäfer rechnen, denn geschwächte Bäume bleiben länger stehen als empfohlen. In den Vegetationsperioden nach einem Windwurf muss man mit einer enormen Zunahme der Käferpopulation rechnen. Spielt das Wetter mit, kann solch eine Massenvermehrung mehrere Jahre andauern. Nach Stürmen ist daher ein schnelles Aufräumen und sanieren wichtig, um den Käferbefall einzudämmen.

Natürliche Walddynamik

Für die Natur ist ein Sturm eine ökologische Störung, also ein normales Ereignis in der natürlichen Walddynamik. Die Natur hat die Fähigkeit, sich über Jahrzehnte hinweg zu regenerieren. Windwurfflächen zeichnen sich durch eine hohe Biodiversität aus: zahlreiche Insekten profitieren von den helleren und wärmeren klimatischen Bedingungen, was auch Vögeln, Fledermäusen und anderen Tieren zugutekommt. Lichtdurchflutete „Löcher“ im Wald bieten Lebensraum für seltene Arten und unterstützen den genetischen Austausch.

Ein Blick in die Zukunft

Wie sich das Auftreten von Sturmereignissen in Zukunft entwickelt, kann man auch mit den derzeitigen Klimaprognosen nicht genau vorhersagen. Laut Deutschem Wetterdienst und den Ergebnissen des Extremwetterkongresses Hamburg zeigten sich in Deutschland schwächere Windverhältnisse während der zwei letzten Jahrzehnte im Vergleich zu den beiden Jahrzehnten vor dem Jahr 2000. Dennoch werden extreme Stürme auch in Zukunft immer wieder auftreten.

Tipps für Waldbesitzer:innen

Durch umsichtiges Management können Förster:innen die Sturmanfälligkeit reduzieren und die Widerstandsfähigkeit der Wälder erhöhen. Dazu gehört zum Beispiel:

  • Das Fördern von strukturreichen Mischbeständen mit Laubbaumanteilen (z.B. Buche) und stabileren Nadelarten (Kiefer, Lärche). Mehrschichtige Wälder sind stabiler, da sie Windlasten besser verteilen.
  • Förderung der Naturverjüngung: Natürliche Jungbäume wachsen mit besserem Wurzelwerk als gepflanzte. Mit einer gesicherten Naturverjüngung steht die nächste Waldgeneration bereits in den Startlöchern, egal ob ein Sturm kommt oder nicht.
  • Waldrandgestaltung: Flach ansteigende, winddurchlässige Waldränder verringern Windgeschwindigkeiten im Inneren. Außerdem können strukturreiche Waldränder als Übergang vom Wald zum Offenland sehr artenreich sein und zahlreiche geschützte Arten beherbergen.
  • Vermeidung von Stammverletzungen: Umsicht bei der Waldarbeit schützt vor Pilzbefall, der Bäume zusätzlich schwächt.

Der Walddoktor

Die Story-Serie „Der Walddoktor“ entsteht in Zusammenarbeit des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie und der TU Ilmenau mit dem Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha von ThüringenForst im Rahmen des Projektes „Der Walddoktor“. Dieses wird durch das Bundesamt für Bildung und Forschung, das Förderprogramm „Wir! – Wandel durch Innovation in der Region“ und das Bündnis Holz-21-regio gefördert.