Safranfäden, Rainer Zenz, gemeinfrei

Serie: Gewürze

Safran

Wertvolle Blütenteile

Im Herbst, wenn viele Pflanzen sich bereits zurückziehen, öffnet der Safran-Krokus (Crocus sativus) seine zart violetten Blüten. Unspektakulär auf den ersten Blick – und doch beherbergen diese eines der kostbarsten Produkte der Pflanzenwelt.
Die Blüte folgt dem klassischen Bauplan der Schwertliliengewächse: sechs Kronblätter, und darunter verborgen die drei leuchtend roten, fadenförmigen Narben. Diese sitzen am Ende des Griffels und sind Teil des weiblichen Blütenorgans. Botanisch dienen sie dazu, den Pollen der Pflanze aufzunehmen. Für uns Menschen erfüllen diese Fruchtblätter allerdings eine andere Aufgabe: Sie werden als Gewürz benutzt.

Anbau und Ernte

Aus jeder Blüte lassen sich genau drei Narben gewinnen. Für ein Kilogramm Safran müssen also etwa 150.000 bis 200.000 Blüten gepflückt werden – jede einzelne von Hand. Geübte Erntehelfer:innen schaffen gerade einmal 60–80 Gramm pro Tag. Kein Wunder also, dass Safran Preise von bis zu 30.000 € pro Kilogramm erreichen kann – ein Gewürz, das gelegentlich mit Gold verglichen wird. Der Anbau konzentriert sich auf Regionen mit trockenen Sommern und milden Wintern, wie etwa im Iran, Indien oder im Mittelmeerraum. Aber auch in Österreich und Deutschland gibt es kleinere Anbaugebiete mit langer Tradition.

Ein weltweiter Klon

Der Safran-Krokus ist triploid und steril. Das bedeutet, dass er keine keimfähigen Samen produziert und sich nur vegetativ, also über Tochterknollen, vermehren kann. Knollen? Richtig. Auch wenn Krokusse gern als Zwiebelpflanzen angesehen werden, handelt es sich bei den unterirdischen Speicherorganen um Knollen!

Forschung: Die Herkunft des Safran-Krokus

Lange war unklar, woher genau diese Pflanze stammt. Erst im Jahr 2019 konnten Biologen der Technischen Universität Dresden dieses botanische Rätsel lösen.
Ihre Untersuchungen zeigten, dass der Safran-Krokus (Crocus sativus) aus der Wildart Crocus cartwrightianus hervorgegangen ist. Genauer gesagt entstand er durch die Verschmelzung der Genome zweier leicht unterschiedlicher Individuen – sogenannter Zytotypen – innerhalb dieser Art. Damit ließ sich auch erklären, warum der Safran-Krokus triploid und steril ist.
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift New Phytologist veröffentlicht (Schmidt et al., [2019](https://doi.org/10.1111/nph.15715)).
Eine frühere Studie kam zudem zu dem Schluss, dass die Entstehung des Safrans höchstwahrscheinlich ein einmaliges Ereignis war. Darauf deutet hin, dass heute weltweit praktisch keine genetische und nur sehr geringe phänotypische Vielfalt innerhalb der Art zu finden ist (Fluch et al., [2010](https://ishs.org/ishs-article/850_4/))

In der Küche

Als Gewürz schließlich entfaltet Safran seine wohl bekannteste Wirkung. Schon wenige Fäden genügen, um Speisen wie Risotto, Paella, Chimichurri de azafran, einfachem Reis, aber auch Süßigkeiten oder Kaffee eine intensive goldgelbe Farbe und ein charakteristisches Aroma zu verleihen. Man verwendet die Fäden als Pulver oder weicht sie in warmen Wasser ein, und gibt dieses nach dem Garprozess zum Gericht, um die flüchtigen ätherischen Öle bestmöglich zu schonen.

Serie: Gewürze

Vanille

Ein Orchideengewächs unter den Gewürzen

Orchideen würde man wohl eher in tropischen Wäldern als im Gewürzregal vermuten. Tatsächlich gehört Vanille genau zu dieser Pflanzenfamilie, genauer zur Gattung Vanilla. Wie alle Orchideen bildet sie nach erfolgreicher Bestäubung eine Kapsel mit sehr vielen winzigen Samen. Bei Vanille entwickelt sich diese jedoch zu einer sehr langen Frucht, die durch aufwendige Nachernteprozesse ihr typisches Aroma erhält.

Eine Kletterpflanze im Tropenwald

Die Vanillepflanze ist eine immergrüne Kletterorchidee. Sie bildet Luftwurzeln, die sowohl der Verankerung als auch der Wasseraufnahme dienen können. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt in den feuchtwarmen Tieflandwäldern Mittelamerikas, insbesondere im heutigen Südosten Mexikos sowie Teilen Zentralamerikas. Dort wächst sie in halbschattigen Waldstrukturen mit hoher Luftfeuchtigkeit und gleichmäßigen Temperaturen. „Aber die Vanille kommt doch aus Madagaskar?!“ Nein. hier liegt „nur“ ihr Schwerpunkt im industriellen Anbau.

Eine Blüte mit spezieller Bestäubung

Vanilleblüten sind nur wenige Stunden bis maximal einen Tag geöffnet. In ihrer Ursprungsregion werden sie vor allem von stachellosen Bienen (Meliponini) bestäubt, die die spezielle Blütenform überwinden können. Außerhalb dieses Systems fehlt dieser ökologische Partner, weshalb zur industriellen Produktion Handbestäubung notwendig ist.

Die „Schote“, die eine Kapsel ist

Die Vanillefrucht ist botanisch eine Kapsel und entwickelt sich nach erfolgreicher Bestäubung über etwa 6–9 Monate. Geerntet wird sie unreif, da erst die Nachernteprozesse die volle Aromaentwicklung ermöglichen. Die Samen sind in einer klebrigen Matrix eingebettet.

Aromabildung aus Vorstufen

Frische Vanille enthält kaum freies Aroma; entscheidend sind Vorstufen wie Glucovanillin, die nach der Ernte enzymatisch zu Vanillin und weiteren Duftstoffen umgewandelt werden. Neben Vanilla planifolia  unterscheiden sich auch andere Arten deutlich: V. tahitensis weist stärker blumig-anisartige Noten mit geringerer Vanillin-Konzentration auf, während Vanilla pompona ein schwereres, balsamisches Profil besitzt. Diese chemischen Unterschiede bestimmen ihre Nutzung in Gastronomie oder Parfümerie.

Von der Frucht zum Gewürz

Die Nacherntebehandlung besteht aus mehreren klar getrennten Phasen: Abtöten des Fruchtgewebes durch Wärme, enzymatische „Schwitzphase“, kontrollierte Trocknung und anschließende Reifung. Diese Schritte steuern Sauerstoff-, Wasser- und Temperaturverhältnisse so, dass Aromavorstufen effizient umgesetzt werden.

(Echte) Vanille im Verkauf?

Vanille gehört zu den arbeitsintensivsten Kulturpflanzen, da jede Blüte einzeln bestäubt und jede Frucht einzeln geerntet wird. Die geringe natürliche Bestäubung und der hohe Verarbeitungsaufwand führen zu starken Preisschwankungen. Ein großer Teil des Vanillearomas wird deshalb synthetisch produziert.
Bestäubung per Hand.